Rompza und Muthofer in der Galerie Emilia Suciu (2003)

Mit immer weniger Aufwand mehr zeigen
Sigurd Rompza und Ben Muthofer in der Galerie Emilia Suciu

Würde ein Galeriebesucher in leicht tadelnswerter Weise seinen Blick aus einem der Fenster der Gründerzeit-Villa schweifen lassen, so träfe dieser auf Lagerhallen, Fabrikgebäude und Verladerampen, um zuletzt womöglich an einer im Garten liegenden Kabeltrommel haften zu bleiben, von der Emilia Suciu jedoch mit Bestimmtheit weiß, dass es sich um eine Plastik von Ioan Bunus handelt. Seit nunmehr zehn Jahren betreibt die gebürtige Rumänin ihre Galerie mitten im Ettlinger Gewerbegebiet „vorderes Albtal“, davor ist sie sechs Jahre lang in der Karlsruher Melanchthonstraße ansässig gewesen.

Im Inneren des Gebäudes mit dem morbiden Charme einer bourgeoisen aber vergangenen Herrlichkeit sind derartige Verwechslungen kaum noch zu erwarten, auch wenn einige der Arbeiten von Sigurd Rompza in einem anderen Kontext nicht ohne weiteres als das wahrgenommen würden, was sie hier sind: minimalistisch-konkrete Kunst-Gebilde, bei denen durch kleinste Differenzierungen – Rompza spricht von „Farb-Licht-Modulierungen“ – ein Höchstmaß an Komplexität erreicht wird; „mit immer weniger Aufwand mehr zeigen“, forderte Rompza einmal in einer Arbeitsnotiz. Insgesamt 23 Wandobjekte des 1945 im Saarland geborenen Künstlers sind zu sehen, die meisten stammen aus den letzten vier Jahren. Als Professor an der Hochschule der Bildenden Künste Saar gehört Sigurd Rompza zur stattlichen Zahl der bereits etablierten Künstler der Ettlinger Galeristin, die den Schwerpunkt ihrer Ausstellungstätigkeit konsequent auf die Präsentation von konkreter, konstruktivistischer und minimalistischer Kunst gelegt hat.

So ist dies auch der adäquate Ort für den 1937 in Oppeln geborenen Ben Muthofer, dessen bis zu zweieinhalb Meter hohe Plastiken aus weiß oder schwarz lackiertem Stahl ihre Geistesverwandtschaft mit den Wandobjekten Rompzas nicht leugnen können. Mit ihren charakteristischen Einschnitten und rhythmischen Faltungen wirken die 10 Skulpturen weniger raum-greifend als Raum entfaltend, wobei durch solche Raumeröffnungen eher inneren als äußeren Angelegenheiten mögliche Existenzorte eingeräumt werden. Ben Muthofer hat sich schon früh transatlantisches Renommee erworben und konnte im Laufe seiner über vierzigjährigen Tätigkeit zahlreiche Großplastiken realisieren. Fünf der bei Emilia Suciu gezeigten Arbeiten sind erst in diesem Jahr entstanden, die anderen zwischen 1986 und 1990.

Ordnung und Regel scheinen für beide Künstler vorrangige arbeitsethische Kategorien zu sein, wobei Rompza in einem schriftlich vorliegenden Gespräch mit Monika Bugs im Jahr 2000 die Formulierung von Regeln und ihre Befolgung in eins setzt, um dadurch die künstlerische Autonomie zurückzugewinnen, die mit dem Postulat der bloßen Regelbefolgung verloren gegangen wäre: „Ohne Regeln geht gar nichts. Künstlerisch gilt es, Regeln aufzustellen, weniger vorhandene Regeln zu befolgen.“ Man mag sich fragen, ob das künstlerische Ausführen von selbst formulierten Handlungsanweisungen nicht einen allzu ironischen oder spielerischen Umgang mit dem Regelbegriff impliziert, ein Eindruck, der u. a. dadurch bestätigt wird, dass Rompza seine Objekte in Parallele zu den „Sprachspielen“ des Philosophen Ludwig Wittgenstein als Artikulationen von „Bildspielen“ versteht. Doch läge diesen so streng und schlüssig sich gebenden Werken von Muthofer und Rompza am Ende eine Bild gewordene Form sublimer Ironie zugrunde, wäre dies gewiss nicht das Schlechteste, was man über sie sagen könnte.

Noch bis 15.11.2003: Sigurd Rompza (Wandobjekte) und Ben Muthofer (Plastiken), Galerie Emilia Suciu, Pforzheimer Str. 120, Gewerbegebiet „vorderes Albtal“, Ettlingen; geöffnet Di – Fr: 16 – 19 Uhr und nach Vereinbarung.

[Badische Neuest Nachrichten]