20. Oktober 2017

2015 erschien im Prestel Verlag (München, London, New York) der Bildband „Piet Mondrian – Leben und Werk“, 392 Seiten. Wirklich schön gemacht ist das Buch nicht. Allerdings enthält es auf den letzten 115 Seiten einen (ungefähr chronologisch geordneten) Überblick über Mondria(a)ns Gesamtwerk (um die 1.000 erhaltene Bilder) in Form kleiner Schwarz-Weiß-Bildchen mit den üblichen Angaben; leider wird nicht darüber informiert, wo sich das jeweilige Werk momentan befindet. (Eine große Sammlung mit Mondrian-Bildern besitzt das Gemeindemuseum in Den Haag.) So ein Überblick ist eine schöne Sache, man sollte einen solchen für jeden Künstler gesondert herausbringen, die Bildchen dürften gerne auch in Farbe sein (obwohl die Reduktion auf die Hell-dunkel-Werte ein strukturell orientiertes Vergleichen enorm erleichtert). Eine streng chronologische Reihenfolge wäre mir lieber als eine ungefähr chronologische, aber die wird sich wohl nicht immer leicht herstellen lassen. Auch bei diesem Überblick sehe ich: der Mondrian Anfang dreißig (geboren am 7.3.1872) ist mir derzeit der liebste aller Mondriane (man kann mindestens vier verschiedene unterscheiden). In seinen Bildern mit Bäumen in holländischer Wasserlandschaft (um 1905) ist der späte, in New York weltberühmte Mondrian natürlich schon enthalten. Bei diesem Schon-enthalten-Sein hätte es meinethalben gerne bleiben können. Aber er musste ja unbedingt ganz im Sinn von De Stijl alles „Überflüssige“ weglassen.

Piet Mondrian mit Nelly van Doesburg in seinem Atelier Rue du Départ Nr. 26. In: De Stijl, Vol. VI, Nr. 6/7 (1924)

Zwanzig Jahre zuvor sahen Mondrians Bilder und deren Maler noch ein wenig entspannter aus: Piet Mondrian (vermutlich der Vollbärtige) und Simon Maris in Bordeaux  1903. Die beiden waren unterwegs nach Spanien. Die Dame am Nebentisch scheint mit irgendetwas nicht ganz einverstanden gewesen zu sein.