20. November 2017

Sogenannte Sondierungsgespräche, sollte man meinen, führt man, um herauszufinden, was Sache ist und mit wem man es bei den Gesprächspartnern zu tun hat. Am Ende entscheidet man über sein weiteres Vorgehen. Genau das hat Christian Lindner in der letzten Nacht buchstäblich fünf vor zwölf getan und sich gegen eine Koalition seiner FDP mit CDU/CSU und den Grünen entschieden. Heute ist von nicht wenigen seiner Gesprächspartner zu hören, man habe doch kurz vor einer Einigung gestanden. Wer solches sagt, gibt damit zu erkennen, dass er entweder Sinn und Zweck der Gespräche missverstanden oder unter einem irreführenden Titel Koalitionsverhandlungen geführt hat. Wie dem auch sei: Wenn ich aus dem Munde eines offensichtlich beleidigten CSU-Müllers vernehme, dass man sich doch so gut wie einig gewesen sei, frage ich mich irritiert, wer sich da eigentlich worüber einig gewesen ist und welche Rolle Lindner bei dieser Einigung, von der er offenbar nichts mitbekommen hatte, gespielt haben mag. Und weiter: welche Rolle die FDP in dieser Koalition der Sich-Einigen hätte spielen sollen. Im Nachhinein beweisen die Reaktionen derer, die einstweilen noch um ihre Pfründe bangen müssen, dass Lindner mit seinem Misstrauens-Votum vollkommen richtig lag.