2. Oktober 2017

Gestern habe ich den Kunsthistoriker, den Moralisten und den Weltverbesserer in einem Atemzug als Nervensägen und Besserwisser bezeichnet, was noch das Mindeste von dem ist, was man gegen sie sagen könnte. Was aber hat der Kunsthistoriker in dieser tristen Trias zu suchen? Der Kunsthistoriker, meine ich, ist der natürliche Feind des Künstlers. Denn er will ihn begrifflich zu fassen kriegen, einsacken, analysieren, bestimmen, einordnen, zuordnen, kategorisieren, inventarisieren, etikettieren, bewerten und dermaßen traktiert und präpariert an die Wand nageln. Es soll ja Künstler geben, deren höchstes Ziel es ist, sich auf diese Weise museumsreif schlagen zu lassen. Ich gebe zu: auch ich kann mir Schlimmeres vorstellen. Dennoch empfiehlt es sich um der künstlerischen Bewegungs-Freiheit im Sinne von Sol LeWitt (siehe 1. Oktober) willen, um Kunsthistoriker gedanklich und real einen großen Bogen zu machen.

Den Brief des siebenunddreißigjährigen LeWitt an die neunundzwanzigjährige Eva Hesse gibt es auch als Rezitations-Kunst-Ereignis mit Benedict Cumberbatch, manchen vielleicht besser bekannt als der neue Sherlock Holmes: