Mein Dialogpartner Michael Schneider …

Mein Dialogpartner Michael Schneider wies mich auf Wilhelm Worringers 1908 in Buchform erschienene Dissertation Abstraktion und Einfühlung hin. Worringer kommt im Anschluss an den Psychologen und Philosophen Theodor Lipps (1851-1914) zu seiner Kern- und Ausgangsthese: Ästhetischer Genuss ist objektivierter Selbstgenuss. Lipps erklärt, bei positiver Einfühlung (ein, wenn nicht der Grundbegriff bei Lipps) empfinde man Formen als schön: „Ihre Schönheit ist dies mein ideelles freies Sichausleben in ihnen. Dagegen ist die Form häßlich, wenn ich dies nicht vermag, wenn ich mich in der Form oder in ihrer Betrachtung innerlich unfrei, gehemmt, einem Zwange unterliegend fühle“, so Lipps .  Man halte daneben Picassos Maxime: „immer dagegen arbeiten, auch gegen sich selbst“. Entweder wollte Picasso das Hässliche (von den meisten wurden seine Demoiselles d’Avignon ja so wahrgenommen) oder seine Schönheit war eine andere als die von Lipps und Worringer. Das Kriterium der Reibungslosigkeit beim Wahrnehmen galt für das von Picasso Angestrebte jedenfalls nicht. Im Gegenteil.