19. Juni 2017

Tablet-Zeichnung, 19.6.2017

David Hockney weist in A History of Pictures darauf hin, dass wir beim Sehen, also auch beim Zeichnen, ständig die Blickrichtung ändern. Auf der Zeichnung sieht man davon in der Regel nichts – es sieht stattdessen so aus, als hätten wir die Blickrichtung nie geändert, als wäre das Bild quasi zeitlos in einem einzigen Moment, also im Nu entstanden. Wir abstrahieren von unseren Richtungs- und Fokuswechseln und tun so, als hätten wir nicht gezeichnet, sondern fotografiert. Dieser fotografische Blick, den die Zeichnung dann festhält oder postuliert, wurde erfunden, als man die Zentralperspektive entdeckt hat. Wir fotografieren also nicht erst seit 1839. Die Skizze eines fünfundzwanzigstöckigen Hauses aus einer Entfernung von fünfunddreißig Metern gezeichnet, müsste ein Kontinuum von Perspektiven enthalten, wenn die Wahrnehmungsweise authentisch wiedergegeben sein sollte. Da regt sich der Verdacht, dass die Bildbrüche des Kubismus wenigstens teilweise als Versuche zu werten sind, unsere dynamische Sehweise realistischer wiederzugeben als eine statische Fotografie es tun kann.

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Gestern habe ich damit begonnen, eine vollständige Liste meiner öffentlichen Auftritte als Bildhauer, Zeichner, Fotograf, Videomacher und Performer zusammenzustellen. So eine Art Bestandsaufnahme oder Zwischenbilanz. Ich werde dabei das Gefühl nicht los, in der falschen Kunstszene unterwegs gewesen zu sein. Kann es eine richtige Kunst in der falschen Szene geben?