18. Juni 2017

Seit einer Woche lese und betrachte ich David Hockneys und Martin Gayfords dialogisch (vielleicht sagt man auch besser: duettartig) angelegtes Bilder-Buch A History of Pictures (2016). Plato, las ich heute, habe Vorbehalte nicht nur gegenüber der Dichtung, sondern auch gegen die Malerei geäußert. Ein Gemälde sei wie ein schlechtes Argument: nur aus der Distanz ähnele es der Wirklichkeit. Denn ein Bild gibt nicht wieder, wie ein Gegenstand wirklich ist, sondern zeigt nur, wie er zu sein scheint. Ich meine allerdings, das einzige, was nicht trügt, ist der Schein. Alle Aussagen darüber, was und wie etwas wirklich ist, haben sich als nicht haltbar erwiesen. Und da ist kein Ende in Sicht, auch wenn die Modernen noch so glaubensfest daran glauben, dass es nur noch einiger Experimente im CERN bedarf, bis wir mit endgültiger Gewissheit wissen, was den Kosmos im Innersten zusammenhält. David Hockney nimmt den Passus über Platos Bild-Skepsis zum Anlass, um sich zur Malerei als seinem persönlichen Lebenselexier zu bekennen: „I believe that painting can change the world. If you see your surrounding as beautiful, thrilling and mysterious, as I think I do, then you feel quite alive. I’ve always loved pictures; they give me ideas.“ Ich neige neuerdings wieder dazu, mich Solchem anzuschließen.