11. Oktober 2017

Lothar Rumold: „Skizzenbuch: Warten bei VW“, 2017, Tablet-Zeichnung
Lothar Rumold: „Skizzenbuch: Friedhofs-Baum“, 2017, Tablet-Zeichnung

Ein Tablet, vorausgesetzt es hat ein noch einigermaßen handliches, also jackentaschenkompatibles Format, eignet sich für tagebuchartige Skizzen natürlicherweise besonders gut. Gegenüber dem „analogen“ Skizzenblock hat es den Vorteil, dass es keine Blätter gibt, die geknickt oder zerknittert werden könnten, und dass der Stift nicht gespitzt werden muss und nur auf dem oder im Tablet, aber nirgendwo sonst Spuren hinterlässt. Abgesehen davon kann das Tablet zugleich zum Surfen, Schreiben, Telefonieren, Fotografieren, Filmen, als Spiegel, als Tablett und Gott weiß, wofür demnächst sonst noch verwendet werden. Genial.

Noch einmal zu dem gestern hier erstmals vorgestellten Félix Vallotton (1865-1925), der für mich nach David Hockney zur nächsten veritablen Entdeckung zu werden scheint. In einer Ausstellungskritik für die Gazette de Lausanne (erschienen am 25.3.1891) schrieb Vallotton über Henri Rousseau, der im Pariser Salon des Indépendants sein erstes großes Urwaldbild zeigte:  „Herr Rousseau überrascht von Jahr zu Jahr mehr. Er ist ein schrecklicher Nachbar; er erdrückt alles. Zu sehen ist ein Tiger, der eine Beute schlägt; dies ist das Alpha und das Omega der Malerei, und es ist so irritierend, dass selbst tief verwurzelte Überzeugungen nicht mehr weiter wissen und sich verunsichert fühlen ob soviel Selbstsicherheit und soviel kindlicher Naivität.“ Was man sich als Künstler ins Merkbüchlein schreiben kann: nichts von dem, was in der Sphäre der Kunst als unumstößliche Wahrheit gilt, ist eine unumstößliche Wahrheit. Die Gewissheiten von heute sind die obsolet gewordenen Vorurteile von morgen – aus dem Feld geschlagen von denen, die ebenso selbstsicher wie (scheinbar oder tatsächlich) naiv, neue Maßstäbe setzen. Womit Vallotton neue Maßstäbe setzte, waren die von ihm in den 1890er Jahren geschaffenen Holzschnitte. Zwar war er nicht der erste, der sich dieser seit dem 16. Jahrhundert in Vergessenheit geratenen Technik erneut bediente, doch hatten die von ihm hergestellten Drucke formal und inhaltlich etwas kompromisslos Intensives, das offensichtlich seinesgleichen suchte (und nur selten irgendwo fand). Hier zum Beispiel ein höchst bemerkenswerter und gelungener Versuch, mit einfachsten Mitteln ein sich in einem See spiegelndes Haus samt nächtlichem Sternenhimmel darzustellen:

Félix Vallotton: „La Nuit“, 1895, Holzschnitt, 17,8 x 22,2 cm