1. Dezember 2017

Das informelle oder auf Konvention (also auf eine unausgesprochene Übereinkunft) sich gründende diskutierende oder auch „nur“ parlierende Kollektiv löst sich gerade auf. Die sogenannte Gesellschaft, deren reale Einheit vielen längst ein Rätsel war und nicht wenigen eine Illusion zu sein schien, zerfällt unaufhaltsam. Echoartig durch die Medien hallende Sätze wie: Es ist „uns“ nicht gelungen, „den Menschen“ ihre Ängste zu nehmen oder ähnlicher Schwachsinn, gehören nicht zu den Folgeerscheinungen des Zerfalls, sondern mit zu seinen Ursachen. Der Wunsch (auch meiner), sich (mich) verständlich zu machen und sich (mich) zu verständigen, schwindet von Tag zu Tag. Bald nehme ich nur noch am eigenen „Diskurs“ teil. Die Gesprächspartner suche ich mir in den Büchern, Bildern, Filmen und so weiter die ich mir gefunden habe. Das macht frei und einsam. „I’m a lone-, lonesome rider“, sang Ulrich Roski (1944-2003), den heute keiner mehr kennt, schon vor Jahrzehnten. Bis auf weiteres gilt: Wir müssen uns den Lonesome Rider als einen glücklichen Menschen vorstellen.

Unter diesen Umständen kann ich es mir dann auch erlauben, dieses gnadenlos schöne Bild des in China geborenen An He gnadenlos schön zu finden:

An He (*1956): Sitzende Frau, Öl auf Leinwand, 76 x 102 cm