1. August 2017

Das erotisch-pornographische Motiv spielt, ich glaube, ich sagte es bereits, beim Zeichnen sehr bald keine Rolle mehr. Man kann die Melodie, das phallische Grundthema, auswendig und fängt früher oder später an, frei zu variieren und zu improvisieren. Ist das noch Darstellung im engeren Sinn? Dass es nur um ein abstraktes, also vom Gegenständlichen losgelöstest, womöglich gar autonomes Spiel der Linien und Formen geht, lässt sich aber auch nicht sagen. Der Reiz liegt für mich gerade im Tanz der Linien und Formen zwischen gegenständlicher Gebundenheit und freier Improvisation. Aber letztlich gilt das, mal mehr, mal weniger, für jede bildliche Darstellung, die nicht auf rein fotomechanischem Wege zustande gekommen ist. Andernfalls wäre eine Porträtzeichnung von Albrecht Dürer kaum zu unterscheiden von einer, die von der Hand Pablo Picassos stammt.

Bleistiftzeichnung, Ausschnitt, © Lothar Rumold

Mittlerweile sehe ich beim Zeichnen von, mit Verlaub: Schwänzen beinahe nur noch die Darstellung und in dieser kaum noch das Dargestellte. Ich bin dann immer ein wenig überrascht und irritiert, wenn jemand (wie ich seinen oder ihren Äußerungen entnehmen kann) gerade umgekehrt vor allem das Dargestellte und offenbar gar nicht die Darstellung zu bemerken scheint.